Presse

Hamburger Abendblatt, 07. Mai 2007

Schüler-Projekt gegen null Bock: "Kein Entkommen"


Hamburg:
Ausbüchsen gilt nicht. Der Boden des Lebens ist unsicher. Wie Treibsand droht er einen Tänzer zu verschlucken. Rettend kommen ihm zwei andere zu Hilfe. Einfach mal zupacken oder losgehen kann der Ausweg sein aus der Isolation oder Null-Bock-Haltung. Mit offener Kontakt-Initiative bringen die Jugendlichen des Schüler-Tanz-Projekts "Kein Entkommen?!" im Sprechwerk nicht nur die Partner, sondern auch das Publikum aus der Passivität in Bewegung.
Äußere und innere Grenzen tanzend buchstäblich zu überspringen, machen die Choreografen Gabriele Gierz und Andree Wenzel vom Verein Focus! Tanzperformance zum Thema ihres beeindruckenden, über sechs Monate erarbeiteten Stücks. Mit 18 Schülern des Wirtschaftsgymnasiums Gropiusring und des Grone-Netzwerks übersetzten sie Konflikte in aussagestarke Bewegungsbilder. Mal begleitet von armenischer Streichermusik, mal angepeitscht vom Beat der Live-Band um Ronnie Henseler.
Gierz und Wenzel, Assistenten von Royston Maldoom beim "Can Do Can Dance"-Projekt, führen Schultanzprojekte weiter - diesmal in Kooperation mit Grone-Netzwerk und Bildungszentrum Steilshoop. Auch in "Kein Entkommen?!" verstehen sie es, Selbstdisziplin und Teamwork zu fördern, also kreativ und spielerisch lustvoll Brücken zu bauen zwischen unterschiedlichen Gruppen.

Kein Entkommen ?! 10.5., 12 Uhr, Theatersaal Bildungszentrum Steilshoop, Gropiusring 43,
Anmeldung: 428 98 03 54.
-itz



Sendung 07.05.07, 11.56h und 14.56h, NDR Info

„Komplexe Prozesse. Jugendliche Performer begeisterten im Hamburger Sprechwerk“


Eine junge Frau irrt über die Bühne. Sie will zu den anderen, doch die fassen sich fest an den Händen und wehren sie ab. Mit diesem und anderen starken choreographischen  Bildern haben die 17 Schülerinnen und  Schüler ihr Publikum am vergangenen Wochenende im Hamburger Sprechwerk begeistert .

Zitat: Ein großartiges Schauspiel mit sehr ästhetischen Einlagen, sehr schön, sehr rhythmisch, sehr temperamentvoll. Es gab überhaupt keine Langeweile, es ist so viel passiert auf der Bühne man hat atemlos zugeguckt. Es war großartig.

Es ist kaum zu glauben, dass die Jugendlichen nur vier Monate lang geprobt haben. Ganze zweieinhalb Stunden pro Woche. Die leichten geschmeidigen Bewegungen, die starke Bühnenpräsenz, die komplexen Bewegungsabläufe, das harmonische Miteinander, all das erweckte den Eindruck eines jahrelang eingespielten Teams. Vielleicht liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Methode: Die Bedingung bei dem Projekt mitzumachen lautete nämlich, sich voll und ganz darauf einzulassen. Der Titel des Stücks „Kein Entkommen“ galt so gesehen auch für die Probenarbeit, sagt die Choreographin Gabriele Gierz: „Grundsätzlich war das „Kein Entkommen“ eben auch. Sie hatten sich entschieden das Projekt zu machen und dann gabs ja auch Tage wo die Lust nicht so groß war und am Anfang war auch nicht ersichtlich wo das hinführen soll und da gabs dann schon auch so was wie: jetzt müssen wir das machen und was soll das eigentlich und jetzt haben wir uns aber entschieden und dann ziehen wir das auch durch.“

Gabriele Gierz hat mit den Gymnasiasten gearbeitet, ihr Kollege Andree Wenzel mit den Jugendlichen von der Grone Schule. Erst eine Woche vor der Premiere haben beide Gruppen ihre Stücke in eins zusammengefügt. Dieses erste Aufeinandertreffen fand der Gymnasiast Eschan Gorgi (?) ein wenig unangenehm: „Ja, das war ein bisschen komisch weil man gibt viel von sich Preis und es gab ein paar Peinlichkeiten voreinander zu tanzen, aber das sind auch super nette Menschen von der Grone Schule und man hat sich einfach mit denen angefreundet und versucht zusammen was auf die Beine zu stellen und auch einfach die Kraft sich gegenseitig zu geben was Schönes auf die Bühne zu bringen.“

Die Projektleiter haben mit den Schülern zunächst an der Körperwahrnehmung gearbeitet. Es ging darum, sich seiner Gefühle bewusst zu werden und sie in Bewegung umzusetzen. Diese intensive Beschäftigung mit sich selbst und die körperliche Nähe zu den anderen, hat die Jugendlichen an ihre Grenzen gebracht, sagt der Choreograph Andree Wenzel: „Manche sagen gar nichts mehr und ziehn sich zurück, andere wiederum die sind kurz vorm explodieren. Die standen da und bauten sich auf und du hast gemerkt, jetzt gehen die gleich raus oder du hast gleich wirklich ne Auseinandersetzung, direkt körperlich auch vor dir und das war eben der spannende Prozess in diesem „Kein Entkommen“. Es gab kein Entkommen, wenn du dabei sein willst, wenn du mit auf die Bühne gehst, dann musst du mit deinen inneren Widerständen umgehen.

Den lang anhaltenden wohlverdienten Applaus nach der Premiere haben die Mitwirkenden sichtlich genossen. Auch Yevgenija (?) aus der Ukraine. Selbst ihr Deutsch habe sich durch das Tanzprojekt verbessert, schmunzelt sie: „Hier habe ich so viele neue Wörter gelernt, zum Beispiel die Körperteile und viele Verben. Mein Deutsch ist viel besser. Yevgenija freut sich diese vier anstrengenden Monate durchgehalten zu haben. Das ist auch in den Augen der Projektleiter das wichtigste, unabhängig von dem tollen Ergebnis.